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Heinrich Christian Bestehorn

Heinrich Christian Bestehorn

1831 - 1907, Papierwarenfabrikant und Ehrenbürger der Stadt Aschersleben

Geboren am 26. November 1831 als einer von sechs Söhnen eines Seilermeisters in Aschersleben, machte Heinrich Christian Bestehorn nach dem Besuch des Gymnasiums Stephaneum eine kaufmännische Ausbildung in einem kleinen Kolonialwarengeschäft in Quedlinburg. In dieser Zeit war es in einem kaufmännischen Kleinbetrieb üblich, dass die Auszubildenden und Gehilfen in den geschäftsfreien Stunden die Papiertüten, die in den Materialwarengeschäften gebraucht wurden, selbst herstellen mussten. Damit waren natürlich „zeitraubende und verdrießliche“ Unannehmlichkeiten verbunden. Wahrscheinlich reifte schon damals der Plan zur Gründung seiner Firma, die später die größte Fabrik Europas für Papier-Verarbeitung wurde.

Zunächst stieß Bestehorns Idee einer fabrikmäßigen Massenanfertigung von geklebten „Düten“ auf spöttisches Lächeln. Doch am 1. April 1861 eröffnete er einen schlichten Geschäftsbetrieb zur Herstellung von Papier-Beuteln und -Spitz-„Düten“, und legte damit den Grundstein seiner späteren Papierwarenfabrik. In den ersten Jahren wurden in der „Düten-Fabrik“ hauptsächlich Tüten und Beutel ohne Druck hergestellt, die er dann in Hettstedt bedrucken ließ. Im Jahre 1865 wurde dann die erste Buchdruckschnellpresse in der Firma aufgestellt, mit der die Verpackungsmittel selbst bedruckt werden konnten. 1867 kaufte er auf der Weltausstellung in Paris eine dampfbetriebene Maschine, mit der die Produktion immens gesteigert werden konnte. In den Folgejahren ging ein Aufschwung durch die Industrie. Bestehorn expandierte; die Firma wurde größer. Ende der 1870er Jahre wurde das erste große Fabrikgebäude errichtet, und 1890 die Fabrik erweitert. Zu dieser Zeit gab es bereits über 300 Beschäftigte in der Firma.

Das Unternehmen wuchs in den Folgejahren rasant, und machte Heinrich Christian Bestehorn zu einem wohlhabenden und einflussreichen Mann. So wurde er u. a. zum Kommerzienrat, und an seinem 70. Geburtstag (1901) zum Ehrenbürger der Stadt Aschersleben, ernannt. Das imposante Industrieensemble mit dem Dreibogentor und dem mächtigen Uhrenturm ließ er 1911 anlässlich des 50-jährigen Firmenjubiläums bauen. Der Entwurf stammt aus der Feder des berühmten Aschersleber Stadtbaurats Hans Heckner.

Heinrich Christian Bestehorn war 45 Jahre mit Minna Baumeyer verheiratet. Aus dieser Ehe sind die beiden Söhne Otto und Richard hervorgegangen, die 1900 die Leitung der Papierwarenfabrik übernahmen und die Erfolgsgeschichte fortführten.

Die beiden Weltkriege überlebte das Unternehmen unbeschadet. Nach Kriegsende und der Enteignung wurde die Fabrik als volkseigener Betrieb „Optima“ weitergeführt. Die Wende brachte das Aus für die Papierdruckerei. Danach stand das Gebäude einige Jahre leer und verfiel zusehends. Im Zuge des Stadtsanierungsprozesses wurde das Gelände rekultiviert und Stück für Stück in ein modernes Bildungszentrum verwandelt.

Detaillierte Informationen zu der Familie Bestehorn findet man hier.


Foto: Walter Strutz, Geschichtswerkstatt
Text: Frank Reisberg, Geschichtswerkstatt